Text ‚Raum + Skelett’ Katja Münker April 2009
Tanz ist die wechselnde Organisation des Skeletts in Zeit und Raum
Die Räume zwischen den Knochen sind die Fortsetzung des Raums drum herum
Durch das Skelett entstehen Teilräume im Raum
Diese sind verschieblich und können unendlich viele Muster bilden
Tanz ist also die zeitliche und räumliche Verschiebung dieser Teilräume im Raum
Lernen ist der Wechsel der Perspektive
Es ist das Wahr-Nehmen von Etwas, das bisher nicht für wahr genommen werden konnte
Es ist das Erkennen eines Musters, das bisher nicht erkennbar war
Dort, wo bisher scheinbar Nichts war, wird Etwas erkennbar
Um zu Tanzen und um zu Lernen gilt es, immer wieder Etwas loszulassen und dem Nichts, dem Unbekannten zu begegnen
Tanzen und Lernen sind also Etwasse, die immer wieder ihr Etwas-Sein abwerfen
Es entsteht die Fragen, wie Etwas komponiert oder gestaltet werden kann, das immer wieder sein Etwas-Sein verlassen muss, also vorübergehend zum Nichts werden muss, um spezifisch zu sein
Um Lernen und Tanzen zu komponieren, müssen schon bestehende Etwasse immer wieder so kombiniert werden, dass in den Zwischenräumen Nichts zu neuen Etwassen werden können
Dabei ist das Erkennen von Nichts und Etwas immer von der Person des Betrachters abhängig
Dazu ein kurzes Zitat aus ‚Prinzip Improvisation’ von Christopher Dell:
Das aus dieser Bewegung im Text gewonnene Datenmaterial wird nicht in fester Schrift gespeichert, sondern in das autobiographische Gedächtnis eingelesen. Dieses Gedächtnis sammelt sich im ganzen Körper in einer Art Körperschrift. Sein neuronales Netz speichert die Daten auf flüssiger Basis. Dies geschieht auf mannigfaltigen Ebenen, sowohl emotional als auch intellektuell. Mit jedem neuen Lernen, mit jeder neuen Situation verändert sich diese neuronale Landschaft. Zwischen uns und dieser Landschaft gibt es ein iteratives Verhältnis. Sie bewohnt unseren Körper. Gleichzeitig bewohnen wir sie, leben in ihr, sie ist unser spirituell-imaginäres Double.
Veröffentlichung
Article: ‘A continuous experiment and a continuous finding: A reflection on choreography, somatic practice and the aesthetics of change and conditions, Written from practice'
Abstract: In this article, I share insights from my choreographic practice. Through creative and reflective texts and photographs, I intend to create a connective field of knowledge, which supports the discussion and development of choreographic strategies based on somatic practice and the associated aesthetic implications. My main interests are the act of decision making in choreographic processes that operate neither with set movement material nor set aesthetics, and the strategies of navigation in creative processes based on somatic practice. I therefore reflect on the possibilities of non-verbal thinking and the role of imagination. I am interested in the use of somatic practices throughout a creative process. I thus refer less to the first phases of research of movement materialand more on the overall process and requirements of a creation that enables sensuous sense-making and embodied communication, experience, knowledge and reflection. In the end, I am interested in the social relevance of this kind of art and aesthetics.
Münker, K. (2010) ‘A continuous experiment and a continuous finding: A reflection on choreography, somatic practice and the aesthetics of change and conditions, Written from practice’ Journal of Dance and Somatic Practices 2: 2, pp. 161–174, doi: 10.1386/jdsp.2.2.161_1